Die Temperaturen stiegen an Tag zwei der Gruppenphase des Overwatch World Cup in Los Angeles an, während die Teams ihre Kämpfe in der Blizzard Arena austrugen. Team Kanada gewannen ihr einziges Match des Tages und wischten mit Norwegen den Boden auf, wodurch sie auch weiterhin eine perfekte Spielbilanz vorweisen können, während Team USA zwei Siege verbuchte. Beide Teams haben sich ihren Platz in den Top 8 der BlizzCon im Grunde genommen lediglich aufgrund der Kartendifferenz sichern können (Team USA braucht zwei Kartensiege, um Norwegen auszuschalten). Das bedeutet, dass es bei ihrem Aufeinandertreffen morgen hauptsächlich um die Ehre geht. Auch wenn das Gastgeberland und seine nördlichen Nachbarn sich an den ersten beiden Tagen der Philosophie „play hard, meme harder“ verschrieben haben, werden sie bei der Begegnung am Sonntag wohl alles geben.

WIR NEHMEN NUR SYM SYM SYM, EGAL WAS KOMMT

Team USA muss sich erst einmal daran gewöhnen, außerhalb der OWL auf der Bühne der Blizzard Arena zu stehen. Austin „Muma“ Wilmot fand, dass es sich ohne den Druck der regulären Saison seltsam anfühle, dass er sich aber etwas entspannen könne und eine sehr schöne Zeit habe.

„Es ist ein neuer Personenkreis und wir haben alle einen Mordsspaß, wir nehmen das Spiel alle nicht so ernst“, erzählte er. „Wenn man auf der Bühne steht und es gewohnt ist, ständig bierernst zu sein, und dann kommt: ‚Lassen wir Sinatraa Lúcio spielen! Ich nehme Sym! YOLO!‘. Das ist einfach eine ganz andere Erfahrung.“

Die Taktik der Amerikaner kam nicht bei jedem gut an, und Unterstützungsspieler Grant „Moth“ Espe ist das nicht entgangen.

Sind wir die Bösen

– moth (@moth_ow) 8. September 2018

„Ich war mit [Moth] unterwegs und habe diesen Tweet gesehen. Ich habe ihn ihm vorgehalten und gesagt, es sei ein guter Tweet“, erzählte Muma. „Ich meine, ich weiß nicht. Es ist kompliziert, weil es wirklich das ist, was wir auf der Bühne tun müssen. Es gibt keinen Grund, unsere Strategien offenzulegen. Es mag unhöflich wirken, aber wir planen nur für die Zukunft. Hinter der Bühne sind wir wirklich nett, wir verstehen uns alle gut mit dem Spielern.“

Muma ist sich bewusst, dass der Overwatch World Cup unverpflichteten Spielern eine tolle Bühne bietet, auf der sie sich einen Namen machen können. „Es ist eine super Sache, dass Spieler die Gelegenheit bekommen, mit OWL-Spielern in der Blizzard Arena zu spielen. Ich freue mich sehr für sie“, sagte er. „Ich hoffe, dass sie alle zum Zuge kommen.“

Esteban „Helv“ Fernandez aus der Schweiz und Mateus „Neil“ Kroeber aus Brasilien haben ihn als Tanks bis jetzt sehr beeindruckt. „Helv ist sehr jung, aber er hat richtig gut gespielt“, fand Muma. „Neils Reinhardt ist ebenfalls sehr gut. Selbst gegen Kanada hat er eine beeindruckende Leistung gezeigt.“

Obwohl die USA zweifellos die Nase vorn hatten, waren sie nicht immun gegen ein paar gute alte Tricks. In ihrem Match gegen die Schweiz haute es Muma und seine Teammitglieder angesichts des Angriffs ihres Gegners auf Punkt A von Hanamura glatt von den Socken.

Komplettes Match | USA vs. Schweiz | 8. September

„Ich weiß nicht, ob es den Shoutcastern aufgefallen ist, aber Sinatraa hat Soldier: 76 gespielt und Helix-Raketen aktiviert, um über dem Torbogen zu stehen. Space gab an, sie würden nach links gehen und Sinatraa meinte noch ‚Oh mein Gott, wir sind in einer guten Position!‘“ erklärte Muma lachend.

„Dann haben sie sich zum Punkt teleportiert. Sobald sie sich teleportiert hatten, merkte Rawkus ‚Ups, ich bin tot!‘, weil sie sich auf ihn drauf teleportiert haben. Sinatraa stand vollkommen im Abseits. Manchmal spielen die anderen einfach besser!“

IRRE USA-STATISTIKEN

Team USA zauberten die ein oder andere – sagen wir mal experimentelle – Strategie aus dem Ärmel. So kam es letztendlich zu der Art von Statistik, die man in der Overwatch League so nicht findet. Hier sind unsere Favoriten:

  • Man könnte meinen, Kanadas Liam „Mangachu“ Campbell sei der Spieler gewesen, der die meiste Zeit mit einem seiner Lieblingshelden Torbjörn verbracht hätte. Aber Pustekuchen. Diese Ehre gebührt Moth.
  • Der andere amerikanische Unterstützungsspieler, Shane „Rawkus“ Flaherty, spielte gegen die Schweiz zwei Minuten lang Widowmaker und konnte mit ihr vier Todesstöße verbuchen.
  • Obwohl er allgemein für sein Tracerspiel bekannt ist, ließ Jay „Sinatraa“ Won die Zuschauer am Samstag lange im Dunkeln bezüglich seiner Heldenauswahl, zu der Zarya, Wrecking Ball und Symmetra gehörten. Selbst mit Lúcio gelangen ihm drei Todesstöße in zwei Minuten.

FÜR DIE WELT AUF DER BÜHNE

Für einige Teams stellt der Overwatch World Cup eine Möglichkeit dar, ihre Region für einen kurzen Moment ins globale Rampenlicht zu katapultieren. Manchmal hinterlassen sie auch bleibenden Eindruck. Vielen hat dieses Turnier bereits als Sprungbrett gedient, und neue Helden und zukünftige Stars wurden entdeckt.

Brasilien ist das beste Beispiel dafür – ihr Samstag begann mit einem Kartensieg gegen Team USA. Und auch wenn das Match in einer Niederlage endete, konnten sie Australien im Anschluss mit3:1 besiegen. Auch wenn sie es nicht bis zur BlizzCon geschafft haben, haben sie doch eindeutig bewiesen, wie viel Talent in der südamerikanischen Region steckt.

Auch Österreich hat einiges an Aufsehen erregt, obwohl ihr Kader lediglich einen Vertreter aus den Contenders, DPS-Spieler Michael „MrDragonlol“ Jörg, vorweisen konnte, sowie den jüngsten Spieler aller anwesenden Teams – den 15-jährigen Unterstützungsspieler Oliver „Eclipse“ Nguyen. Sie eröffneten den Samstag mit einem 3:2-Sieg über die Schweiz, einem Tauziehen, das in einer ausgelassenen Feier ihres ersten Sieges des Wochenendes auf der Bühne gipfelte.

Komplettes Match | Schweiz vs. Österreich | 8. September

„Wir hatten viel Spaß, wir waren gehypt“, erzählte MrDragonlol nach Österreichs Niederlage gegen Brasilien (sie konnten immerhin eine Karte für sich entscheiden). Er ist nicht gerade die extrovertierteste Person auf Erden – „Ich bin ziemlich schüchtern“, antwortete auf die Frage, ob er neue Freunde gefunden habe. Sein Spielstil spricht allerdings für sich, besonders als Widowmaker, Tracer und D.Va.

Trotz der Erfahrung mit seinen Teammitgliedern fühlte er sich nicht übermäßig unter Druck gesetzt, das Team anführen zu müssen, und verwies auf Haupttank Patrick „Wat7“ Marwal als Ansager. MrDragonlol wies außerdem darauf hin, dass dies sein erstes LAN-Turnier ist.

„Anfangs hatte ich Probleme mit den ganzen Zuschauern und so, aber es wird besser“, meinte er. „[Meine Teammitglieder] auch. Momentan bin ich nicht nervös, ich fühle mich langsam wohler.“

Das ganze Turnier ist eine Lernerfahrung für Österreich, von der LAN-Atmosphäre über das Live-Publikum bis hin zu den Strategien, die ihnen erfahrenere Teams entgegensetzen. MrDragonlol betonte, dass besonders die Kombination aus Sombra und Doomfist seinem Team – unter anderem – viele Schwierigkeiten bereitet hat.

„Wenn Sombra unsichtbar ist, kann man sie nicht sehen, aber sie kann alle Spieler des anderen Teams sehen – ihre Bewegungen, wohin sie gehen“, erklärte er. „Doomfist genauso, der es auf die Tanks abgesehen hat. Wir haben gewusst, dass Teams Sombra-Doomfist spielen würden. Es kam also nicht überraschend, war aber trotzdem schwierig. Unser Team hat keinen wirklich guten Sombra- oder Doomfist-Spieler, also konnten wir da nicht viel machen.“

Abgesehen von den neuen Erfahrungen sieht MrDragonlol den Overwatch World Cup auch als Möglichkeit für sich selbst und seine Teammitglieder, ihre Fähigkeiten zur Schau zu stellen, besonders angesichts der Anzahl an freien Plätzen in Profikadern, die 2019 und darüber hinaus.

„Wenn uns jemand scoutet, uns spielen sieht und unser Potenzial erkennt, wählt er vielleicht [jemanden] für die Overwatch League oder ein Academy Contenders-Team aus“, meinte er.

Die Gruppenphase des Overwatch World Cup 2018 in Los Angeles endet am Sonntag um 19:00 Uhr MESZ. Spielpläne, Kader, Links zu Livestreams und mehr findet ihr in unserer Vorschau auf die Gruppenphase.