Zeit für Endspiel-Manöver in Overwatch. Damit beschließen wir die spielübergreifende Reihe mit wissenswerten Inhalten, in der wir bereits Eröffnungen und Mittelspiel-Manöver erläutert haben. Dieses Mal konzentrieren wir uns auf die Schlussphase einer Karte bzw. eines Matches, die oft über Sieg oder Niederlage entscheidet. Nachdem wir das Meme C9 erklärt und uns Statistiken zu Verlängerungen angesehen haben, konzentrieren wir uns diesmal auf einen ziemlich chaotischen letzten Teamkampf.

Teamkämpfe in Overwatch sind von Natur aus chaotisch. Hammerschwünge und Kopfschüsse aus jeder Richtung, Schilde in allen Größen und Formen und ultimative Heilfähigkeiten, die jeden Kampf herumreißen können. Mit der Meta-Zusammenstellung aus drei Tanks und drei Unterstützern werden unübersichtliche Schlachten mit einem Ultimate nach dem anderen immer häufiger. Dadurch ist es manchmal schwierig nachzuvollziehen, wie ein Team den Kampf genau gewonnen hat.

Endspiel-Manöver: Auf in die Verlängerung

Wir werfen einen Blick auf Teamkämpfe, die in die Verlängerung gegangen sind, und zeigen, welche Spieler und Teams der Overwatch League in der Schlussphase eines Matches glänzen.

Diese Alles-oder-Nichts-Kämpfe sind zum Ende einer Karte hin umso spannungsgeladener und bereits kleine Details können entscheidend sein. Ein aktuelles Beispiel ist die Begegnung zwischen Südkorea und dem Vereinigten Königreich im Halbfinale des Overwatch World Cups 2018. Es war ein hart umkämpftes Match, das 2:0 endete und von einigen exzellenten Verteidigungen auf Rialto entschieden wurde. Team UK konnte die vorpreschenden Koreaner gerade noch vor Punkt B aufhalten und erhielt dadurch die Chance, als Angreifer in der darauffolgenden Runde die Karte zu gewinnen und das Ende des Matches hinauszuzögern.

Es folgte eine Lehrbuchstunde darüber, wie wichtig Timing und Teamkoordination in Endspielsituationen sind, besonders für das Aufladen und den Einsatz von ultimativen Fähigkeiten in Doppel-Dreierkompositionen.

Hier ist der komplette Kampf, beginnend mit dem Vormarsch von Team UK bei 30 Sekunden verbleibender Spielzeit.

Pan-Seung „Fate“ Koo und Seong-Hyun „Jjonak“ Bang schafften die verbleibenden Prozente ihrer ultimativen Fähigkeiten in den ersten 20 Sekunden jeweils mit einem Feuerschlag aus der Distanz und einfachen Angriffen. Zu Beginn des letzten Teamkampfes standen den Teams folgende ultimative Fähigkeiten zur Verfügung:

  • UK: Gravitonbombe, Erdstoß, Transzendenz
  • Korea: Erdstoß, Transzendenz

Der Beginn des Kampfes – ungefähr bei 11 Sekunden – verlief gut für Team UK, denn Fates Erdstoß wurde von Finley „Kyb“ Adisi mit Schildstoß unterbrochen. Allerdings aktivierte Isaac „Boombox“ Charles seine Transzendenz nahezu sofort. Vermutlich hatte er erwartet, dass der Erdstoß durchgeht. Gleichzeitig setzte Michael „MikeyA“ Adams seine Gravitonbombe ein, um Korea auf der Treppe festzuhalten, und veranlasste Jjonak dazu, seinerseits mit Transzendenz zu kontern. Keine Tode, viele ultimative Fähigkeiten – so läuft das bei Doppel-Dreierkompositionen.

Beide Teams hatten ihre ultimativen Heilungsfähigkeiten eingesetzt und für ein paar Sekunden hätte Cameron „Fusions“ Bosworth seinen Erdstoß nutzen können, ohne von einer Soundbarriere gekontert zu werden. Doch er wurde frühzeitig von der Treppe heruntergestoßen und hatte keine Gelegenheit, seinen Ultimate einzusetzen. Stattdessen gingen die Koreaner in die Offensive, setzten die Briten am Boden unter Druck und konzentrierten ihre Angriffe auf Fusions. Als er endlich seinen Erdstoß einsetzte, verfügte er nur noch über wenige Trefferpunkte und Jjonak – der erhöht in sicherer Entfernung stand – konnte ihm den Rest geben.

In dem Screenshot seht ihr, wie Fusions eliminiert wurde, nur einen Moment bevor Harrison „Kruise“ Pond seine Soundbarriere fertig aufgeladen hatte. Danach ging alles etwas drunter und drüber. Ausschlaggebend war, dass Fate unter anderem mit Ansturm auf Kyb sehr schnell einen weiteren Erdstoß aufladen konnte und sich opferte, um MikeyA zu eliminieren. Jae-Hyeok „Carpe“ Lee hatte in der Zwischenzeit geduldig seine Gravitonbombe aufgeladen, mit der er schlussendlich den Kampf für Korea gewann. Die Bombe erfasste Boombox, der gerade erst 96 % Aufladung für seine Transzendenz erreicht hatte.

Wenn ihr ein bisschen zurückspult, könnt ihr sehen, dass der vorherige Teamkampf fast genauso ablief: Nur wenige Sekunden, bevor Boombox seine ultimative Heilungsfähigkeit aufgeladen hatte, konnte Carpe (sein Teammitglied bei Philadelphia Fusion) seine Gravitonbombe einsetzen. Autsch.

Wenn wir uns den Verlauf des Kampfes anschauen, fallen drei Dinge auf:

  • Korea zwang Team UK dazu, ultimative Fähigkeiten entweder in ungünstigen Situation einzusetzen (Boombox) oder zu lange aufzusparen (Fusions).
  • Die Koreaner waren sich im Klaren, dass sie Reinhardt eliminieren und gleichzeitig den eigenen Lúcio wegen Soundbarriere schützen mussten, und setzten dieses Vorhaben perfekt um. Die Briten schienen währenddessen nicht zu wissen, auf welchen Gegner sie sich konzentrieren sollten.
  • Jjonak blieb auf einer höher gelegenen Position zurück, als sich der Kampf auf die Fracht zubewegte und Team UK ignorierte die Gefahr, die von ihm ausging.

Im Chaos eines finalen Teamkampfes können bereits kleine Details einen großen Unterschied machen, wie Team Korea auf dem Weg zu seinem dritten Weltmeistertitel zeigte.