学一门语言, 就是多一个观察世界的窗户. Jede neue Sprache ist wie ein offenes Fenster, das einen neuen Ausblick auf die Welt eröffnet. – Chinesisches Sprichwort

Obwohl in der Overwatch League nur ein Team – Seoul Dynasty – eine südkoreanische Stadt repräsentiert, stammen mehr als die Hälfte aller Ligaspieler von der koreanischen Halbinsel. Mehrere Städte werden dabei ausschließlich von koreanischen Spielern repräsentiert, unter anderem New York Excelsior und London Spitfire. Andere Teams wie San Francisco Shock oder Washington Justice arbeiten dagegen mit gemischten Kadern.

Neue Sprache, neue Welt

Benjamin „BigGoose“ Isohanni, Unterstützer bei den LA Gladiators, stellt sich gerade einer neuen Herausforderung – abseits des Spiels: er lernt Koreanisch.

Für die meisten koreanischen Spieler in der Overwatch League ist es wichtig, dass sie Englisch lernen. Nur so können sie besser mit ihren Teammitgliedern kommunizieren oder mit ihren Fans vor Ort in Kontakt treten. Oft werden ihre Bemühungen nicht wahrgenommen. Neben ihrem harten Training müssen sich die koreanischen Spieler auch noch der Herausforderung einer völlig neuen Sprache stellen.

Manche Spieler sind weiter als andere, weil sie entweder schon Englisch in der Schule gelernt haben oder einfach eine schnelle Auffassungsgabe besitzen. Ich habe mit einigen koreanischen Spielern aus gemischten und auch rein koreanischen Kadern über ihre Fortschritte gesprochen – natürlich auf Englisch.

Dong-Jun „Rascal“ Kim, San Francisco Shock

Shock sind aktuell der erfolgreichste gemischte Kader der Liga. Die Teamkommunikation fällt ihnen relativ leicht, was sie in erster Linie ihrem Flex-DPS-Spieler Rascal zu verdanken haben, einem der verbalsten Spieler des Teams. Als Spieler ist er bekannt dafür, dass er sich neue Helden schnell aneignet. Diese Fähigkeit zeigt sich offensichtlich auch im echten Leben: Obwohl er erst seit einem halben Jahr Englisch lernt, hat er schon beeindruckende Fortschritte gemacht.

Wie Rascal Englisch lernt: „Ich unterhalte mich mit den anderen und sehe mir viele Sachen auf Netflix an. Ich mag vor allem Tote Mädchen lügen nicht. Wenn jemand im Shock-Haus Englisch lernen will, schaut er Netflix. Ich habe mir vor kurzem auch Spider-Man: A New Universe angesehen.“

„Ich habe ein wenig Englisch in der Schule gelernt, aber mich nicht darauf konzentriert, weil ich kein guter Schüler war“, sagt Rascal. „Mittlerweile ist es einfacher, mit meinem Team zu kommunizieren, aber manchmal ist es noch echt schwer. Meine Teammitglieder helfen mir bei der Aussprache und zeigen mir, wie ich mich einfacher ausdrücken kann. Auch wenn wir koreanischen Spieler Englisch lernen, ist unsere Aussprache nicht besonders gut. Außerdem bringen sie mir neue Wörter bei.“

Zum Beispiel? Rascal muss grinsen. „Zum Beispiel ... Twitch-Emotes. ‚Kappa.‘ Sowas.“

Shock haben in der Pause zwischen Phase 2 und 3 einen Ausflug in die Bay Area gemacht, um ihre Fans vor Ort zu besuchen. Rascal muss zwar ein paar Momente nachdenken, liefert dann aber eine sehr kreative Umschreibung für den ersten Eindruck, den die Fans auf ihn gemacht haben.

„Unsere Fans sahen aus wie ... eine große Orange“, sagte er schließlich. „Alle hatten Shock-Trikots an! Es wird super, wenn wir nächstes Jahr in San Francisco spielen. Ich freue mich schon, auch andere Orte zu besuchen, nicht nur San Francisco. Ich möchte überall hin.“

SCHAUT EUCH DIESE WUNDERSCHÖNEN FANS AN!! Wir freuen uns tierisch, dass unsere Fans aus der Bay Area zum Meet & Greet in den Aquatic Park gekommen sind! #ShockintheBay

Jun-Ho „Fury“ Kim (London Spitfire)

Obwohl sie ein rein koreanisches Team sind, geben sich die Spieler von Spitfire große Mühe, Englisch zu lernen. Schließlich sind sie ab dem nächsten Jahr in London stationiert. Flex-Tank Fury hatte schon in der Mittelschule Englischunterricht und war einer der ersten koreanischen Spieler in der Liga, die ausschließlich auf Englisch interviewt werden wollten.

Wie Fury Englisch lernt: „Manchmal sehe ich mir Filme ohne Untertitel an. Ich habe mir erst vor kurzem so Avengers: Endgame angesehen. Superheldenfilme kann man auch ohne Untertitel ziemlich einfach verstehen. Außerdem mag ich Fußball. Wenn wir freie Tage haben, spiele ich gerne FIFA. Das hilft.“

„Ich habe mir viel Mühe in der Schule gegeben, zusätzlichen Unterricht gehabt und mir Filme auf Englisch angesehen“, erklärt er. „Als ich zu Team Liquid gekommen bin, war ich der einzige Koreaner. Das Team hatte keinen Dolmetscher, deswegen habe ich eine App zum Übersetzen benutzt.“

Im vergangenen Jahr reiste das Team in der Saisonpause in die Heimatstadt, sah sich die Sehenswürdigkeiten an und traf sich mit Fans. „Wir sind in eine Spielebar in London gegangen. Da waren so viele Fans!“, erinnert sich Fury. „Außerdem gibt es in London wunderschöne Gebäude. Ich mochte die Tower Bridge und den Big Ben. Als ich in London war, wurde der Big Ben aber gerade restauriert und ich konnte ihn mir nicht ansehen.“

London #SpitfireInLondon

Bevor er als Profispieler durchstartete, wollte Fury eine Ausbildung zum Koch machen – eine Idee, die er für die Zeit nach seiner Karriere im Esports im Hinterkopf behält. „Ich bereite gerne Essen zu. Im Moment mache ich das zwar nicht, aber wenn ich mit dem Esports aufhöre, möchte ich richtig Kochen lernen. Wenn ich mein Englisch weiter verbessere, kann ich vielleicht in ein anderes Land gehen und dort die Ausbildung machen.“

Yeonjoon „ArK“ Hong, Washington Justice

ArK, der letzte Saison als Hauptunterstützer für New York Excelsior gespielt hatte, konnte schon fast fließend Englisch sprechen und gewann damit auf der Stelle die Herzen vieler Fans.

„Ich habe Englisch in Korea gelernt, und bei der Zulassungsprüfung für die Uni gibt es einen Englischteil“, erzählt er. „Viele Leute in Korea lernen, indem sie lesen. Sie haben zwar ein großes Vokabular, aber können sich nicht flüssig unterhalten.“

ArK kam mitten in der Saison 2019 zu Washington Justice und ist eine große Bereicherung für den gemischten Kader, weil er Ansagen auf Englisch und Koreanisch formulieren kann.

Danke an alle NYXL-Fans. Der neue @washjustice-Kader ist eine tolle Chance. Ich werde versuchen, mit dem Team Schritt zu halten. Startposition #15 ist mein erstes Ziel. Und danke an meine NYXL-Teammitglieder. Ihr, euer Können und alles drumherum waren einfach perfekt. Ich danke euch.

– ArK (@Arkyjun) 18. März 2019

„Im Spiel dolmetsche ich ein bisschen und mache den Großteil aller Ansagen. Ich habe also alle Hände voll zu tun“, erzählt ArK. „Bei NYXL habe ich schon sehr viel geredet, aber jetzt rede ich mindestens doppelt so viel. Mein Hals tut nach jedem Match richtig weh.“

Wie Ark Englisch lernt: „Ich lerne und übe eigentlich gar nicht. Ich habe beim Streamen und im Spiel so einiges aufgeschnappt oder von englischsprachigen Spielern gelernt. Ansonsten übe ich nicht extra.“

Fast alle Spieler, mit denen ich gesprochen habe, freuen sich besonders darauf, nächstes Jahr nach Europa zu reisen. ArK geht es nicht anders.

„Ich war in China und in einigen Städten der USA, aber noch nie in Europa“, sagt er. „Ich bin schon gespannt auf die Kultur dort, die ganzen Statuen und Denkmäler ... sowas eben.“

Als ich ihm sage, dass die anderen Spieler so ziemlich das Gleiche geantwortet haben, muss ArK lachen.

„Mich überrascht das nicht. Unsere Kulturen sind einfach völlig verschieden“, meint er nachdenklich. „Außerdem waren viele koreanische Spieler noch nie in Europa. Ich habe in Seoul gelebt, einer riesigen Stadt mit vielen Wolkenkratzern. Als ich nach Los Angeles kam, war ich erst einmal überrascht. Die Stadt war so flach und ausgedehnt!“

Young-Seo „Kariv“ Park, Los Angeles Valiant

KariV kam 2017 als neuer Flex-Unterstützer zu Immortals und war damit der erste Koreaner, der für ein nordamerikanisches Overwatch-Team spielte. Aus Immortals wurde schließlich das Team Los Angeles Valiant und in den vergangenen zwei Jahren hat KariV sein Englisch sowohl im Spiel als auch außerhalb verbessert.

„Damals in der Schule habe ich so gut wie kein Englisch gelernt. Jetzt habe ich aber einen Lehrer“, erzählt er. „Es ist nicht mehr so schwer, mich mit meinem Team zu unterhalten. Manchmal gibt es noch Probleme, aber wir haben jetzt einen Dolmetscher. Das macht das Ganze einfacher.“

HAHA! Wir haben noch etwas Zeit bis zu unserem nächsten Match. @KarivOW lernt ein bisschen Englisch mit uns. Ich liebe die Jungs

KariV hilft es besonders, den Kanadier Brady „Agilities“ Girardi als Mitbewohner zu haben.

„Brady hilft mir echt viel“, berichtet KariV. „Manchmal sage ich zum Beispiel versehentlich ‚ihm‘, wenn ich über ein Mädchen spreche. Dann korrigiert er mich und sagt: ‚Nein, ihr!‘ – solche Dinge eben. Jeder hilft mir gern, aber Brady hilft mir am meisten, weil er mein Mitbewohner ist.“

Wie KariV Englisch lernt: „Ich singe gerne englische Lieder und sehe mir Serien wie The Walking Dead an.“

Los Angeles Valiant spielen normalerweise mit ihrem Heimpublikum vor der Bühne. Für das Team und KariV war es deshalb eine ganz neue Erfahrung, nach Dallas zu reisen und am Dallas Homestand teilzunehmen.

„Die Dallas-Fans waren so aufgedreht und laut. Das hat mich ein bisschen nervös gemacht, jeder hat geschrien“, erzählt KariV. „Eigentlich ist es aber ganz gut, wenn die Fans laut sind. Ich freue mich schon darauf, andere Länder als Korea und die Vereinigten Staaten zu sehen. Ich bin schon auf New York gespannt. Ich habe mir das Finale angesehen und die Fotos, die andere Spieler in den sozialen Netzwerken geteilt haben. Das sah echt cool aus.“

Auf die Frage, ob er nach dem Ende seiner Karriere als Profispieler weiter Englisch lernen werde, antwortet er lächelnd: „Bis dahin wird mein Englisch schon sehr gut sein.“

Jong-Ryeol „Saebyeolbe“ Park (NYXL)

New York hat eine der größten lokalen Fangemeinden der Liga. Grund hierfür sind die namhaften Spieler des Teams und ihr reger Kontakt mit den New Yorker Fans. Saebyeolbe, der letzte Saison als herausragender und charismatischer DPS-Spieler von sich reden machte, gehört zu den am besten Englisch sprechenden Mitgliedern seines Teams.

„Ich habe mit Videospielen angefangen, Englisch zu lernen“, erklärt er. „In gewerteten Spielen bin ich immer mit englischsprachigen Spielern in ein Team gesteckt worden und nicht mit koreanischen Spielern. Ich habe durch das Spiel gelernt. Angefangen habe ich vor drei oder vier Jahren. Ich habe nichts in der Schule gelernt – nur durch das Spiel.“

Wie lernt Saebyeolbe Englisch: „Ich schaue Fernsehserien – ich mag zum Beispiel Chernobyl. Wenn ich einkaufen gehe, spreche ich auch Englisch. Ich lerne einfach im Alltag. Ich wohne nicht mit dem Team zusammen. Wenn ich mir also ein Uber rufe oder Essen bestelle, spreche ich Englisch.“

Saebyeolbe ist bekannt für seine englischen Einzeiler wie „Ich bin die beste Tracer der Welt“, den er vergangenes Jahr nach NYXLs Sieg im Finale von Phase 3 im Interview zum Besten gab. Er und sein Team wissen genau, wie sehr ihnen Englisch dabei hilft, die eigene Marke weiterzuentwickeln.

„Das Team lernt gemeinsam Englisch“, sagt Saebyeolbe. „Wir haben Englischunterricht auf unterschiedlichen Niveaus wie A, B oder C. Meine Teammitglieder sind alle im C-Unterricht, der unteren Stufe.“

Er lacht. „Ich glaube, mein Englisch ist das beste des Teams – weil ArK nicht mehr bei uns ist.“

Vergangenen Sommer schrieb Saebyeolbe Geschichte, als er auf dem Citi Field in New York als erster Esportler den First Pitch eines Baseballspiels der Major League warf. Deswegen ist er schon gespannt auf die Heimspiele 2020.

Am 25. Juli wird @saebyeolbe den First Pitch bei einem Spiel der @Mets werfen! #Overwatch #MLB

„Als ich in New York war, hatte ich das Gefühl, zu Hause zu sein“, erzählt er. „Die NYXL-Fans sind wie meine Freunde, meine Familie ... Ich freue mich schon sehr darauf, in der nächsten Saison ‚nach Hause‘ zu kommen.“