Zu Dante „Danteh“ Cruz' Geburtstag im März waren seine Eltern zu Besuch, und die ganze Familie hat sich in einem mexikanischen Supermarkt Tacos besorgt.

„Dort gab es einige echt coole Früchte, die ich noch nie gesehen hatte“, erinnert er sich. „Ich fragte mich, wie sie wohl schmecken würden und habe welche gekauft. Und warum sollte ich sie nicht beim Streamen essen?“

Der Fruchtstream (seine Lieblingsfrucht war „die matschige mit Samen“), das eine Mal, als er seinen Zuschauern zeigte, wie man eine Munddusche verwendet, seine abgedrehten Gedankengänge, die er auf Twitter veröffentlicht – was man von Danteh mitbekommt, ist ungekünstelt, fast schon absurd und absolut echt. „Ich bin immer ein Troll – ich nehme mich nicht zu ernst“, gibt er zu. „Ich sage dumme Sachen und mache dumme Dinge, und das bringt die Leute zum Lachen.“

Warum ihr eine Munddusche kaufen solltet

Der 20-Jährige aus dem mittleren Westen der USA hat seine Karriere als Minecraft-Streamer begonnen und wurde im PvP-Esports bekannt, bevor er Overwatch für sich entdeckte. Zunächst wusste Danteh nicht, dass Profis mit Spielen Geld verdienen können. „Ich war aus Minecraft-Zeiten mit Agilities befreundet, der schon früh Profi bei den Immortals war. Ich habe mich mit ihm unterhalten und konnte nicht glauben, dass er damit Geld verdiente. Das war für mich völlig irre.“

Das Undenkbare entwickelte sich später zu einer echten Karriere, als Danteh zunächst mit Denial eSports und später mit Arc 6, einem Kader mit einigen aus der Overwatch League bekannten Gesichtern wie Scott „Custa“ Kennedy von und Indy „Space“ Halpern von Los Angeles Valiant, frühe Erfolge in wöchentlichen und monatlichen Turnieren feiern konnte.

„Wir haben im Mai 2017 das letzte Alienware Monthly Melee gewonnen und im Turnier davor den dritten Platz erreicht. Ich denke, ab diesem Zeitpunkt habe ich daran geglaubt“, so Danteh. „Die Overwatch League hat E-Mails ausgesendet, Details wurden angekündigt, Teams verpflichteten Spieler. Alles wurde umgekrempelt und wir waren zu diesem Zeitpunkt richtig gut, also dachte ich, wir können das schaffen.“

In Vorbereitung auf die Liga begann Danteh, jeden Tag zu streamen – manchmal bis zu acht Stunden pro Tag – und war durchgängig unter den zehn besten Spielern in der Rangliste. Sein erstes Testspiel war bei San Francisco Shock, und er nahm ihr Vertragsangebot zwei Wochen nach Beginn der Verpflichtungsphase an.

Die Eröffnungssaison lief nicht gerade glatt, und Danteh saß den Großteil von Phase 4 auf der Ersatzbank, nachdem Wunderkind Jay „Sinatraa“ Won Volljährigkeit erreicht hatte und somit spielberechtigt war. Dann gab ihm Assistenztrainer Bum-Hoon „Ninek“ Kim einen Rat.

„Immer, wenn ich in Phase 4 der letzten Saison bei Trainingsmatches zusah, habe ich Sinatraa beobachtet“, erinnert sich Danteh. „Er fragte mich: ‚Warum willst du wie Sinatraa sein? Finde deinen eigenen Stil, das macht dich einzigartig. Welche Helden kannst du spielen und welche Helden kann Sinatraa spielen?‘ Ich glaube, dass man so zu einem guten Spieler wird – indem man seinen eigenen Stil findet.“

Für Danteh war die Entwicklung seines eigenen Stils damit verbunden, seine beste Heldin zu meistern. „Ich habe letztes Jahr öfter Tracer gespielt, aber ich glaube, ich bin eher für Sombra bekannt. Ich war gut mit Tracer, aber nicht der Beste – wenn man an Tracer denkt, denkt man an Striker, Saebyeolbe und Sinatraa.“

Sombra hingegen ist Danteh in den letzten zwei Jahren über mehrere Balanceänderungen und Überarbeitungen hinweg treu geblieben, und somit versteht er sie besser als die meisten anderen Spieler in der Liga.

„Manche Helden sind wirklich gut, aber niemand versteht sie so richtig“, erzählt er. „Wie zum Beispiel Mei, sie war schon eine Weile ziemlich stark, aber erst kürzlich, gegen Ende der Doppel-Dreiermeta fanden die Leute heraus, wie mächtig sie sein kann. Es gibt immer Helden, die richtig gut sind, aber eine Weile unbemerkt bleiben. Ich habe einfach Sombra trainiert, als niemand sie auf dem Schirm hatte, und dann wurde sie richtig mächtig. Jetzt bin ich den anderen einen Schritt voraus.“

Ja, @danteh, wir meinen DICH mit diesem MONSTER-EMP!

Gewissermaßen hat Danteh diese Saison eine ähnliche Selbstfindung wie sein Team durchgemacht. Nach einer sieglosen Phase 2, die er als „richtig entmutigend“ bezeichnet, gingen die Outlaws in sich und kamen dabei, mithilfe einiger Glücksfälle zu einem vertrauten Schluss.

„Normalweise gewinnen wir, wenn wir etwas anders als andere Teams machen. Wenn wir Altbekanntes und Altbewährtes spielen, haben wir nicht so viel Erfolg“, erklärt Danteh. „Ich glaube, wir haben ungewöhnliche Zusammenstellungen einfach besser drauf. Ich habe gelernt, dass man die Meta lieber vermeiden sollte.“

Er lacht, aber in seiner Antwort versteckt sich mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Die Outlaws waren dieses Jahr am erfolgreichsten, wenn sie sich nicht an die Meta gehalten haben und entweder zu ihren vertrauten Helden zurückgekehrt sind oder mit neuen Strategien improvisiert haben. Dantehs Sombra fällt unter die erste Kategorie, und er konnte mit ihr Houston zu einigen der eindrucksvollsten Siege des Teams führen: dem Überraschungserfolg gegen San Francisco in Phase 3 und dem Sieg über die LA Gladiators vor zwei Wochen.

Jetzt, da Danteh seinen eigenen, unverkennbaren Stil gefunden hat, ist er aber noch lange nicht an seinem Ziel angelangt – er steht erst am Anfang seiner Reise. Seine Ziele liegen in unmittelbarer Nähe und in meilenweiter Entfernung. Er will sein Heldenrepertoire erweitern (woran er gerade arbeitet, wenn man Phase 4 betrachtet). Er will es in die Startaufstellung von Team USA beim Overwatch World Cup (wir drücken die Daumen) und in die Playoffs der Overwatch League (es besteht noch eine kleine Hoffnung) schaffen – wenn nicht dieses Jahr, dann bestimmt irgendwann in seiner Karriere. In der Saisonpause will er auf jeden Fall mehr streamen – er kann zwar kein neues Fruchtabenteuer versprechen, aber er hat bestimmt vor, etwas Neues auszuprobieren.

Egal, ob er gerade Overwatch trainiert oder sich auf neues Terrain wagt, fest steht: Er wird seine einzigartige Danteh-Show abziehen.

@danteh zuzusehen ist ein Erlebnis.